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Ist Billy Graham ein Allversöhner?

Kontroverse unter Evangelikalen nach Newsweek-Porträt

Evangelikale in den USA streiten sich über Äußerungen des Baptistenpredigers Billy Graham. Ihm wird vorgeworfen, ein Anhänger der Allversöhnungslehre geworden zu sein, wonach alle Menschen - unabhängig von ihrem Glauben - in den Himmel kommen. Auslöser der Kontroverse ist eine Titelgeschichte im Nachrichtenmagazin Newsweek über den 87-jährigen prominenten Evangelikalen.

In dem Porträt heißt es, Graham zeichne sich durch ein "neues Denken" über das Heil aus. Auf die Frage, ob der Himmel für "gute Juden, Muslims, Buddhisten, Hindus oder weltliche Leute" verschlossen bleibe, antwortete Graham: "Diese Entscheidung trifft allein Gott. Ich wäre töricht, wenn ich darüber spekulieren würde, wer dort sein wird und wer nicht. Ich glaube, dass Gottes Liebe umfassend ist. Er gab seinen Sohn für die ganze Welt, und ich glaube, dass er jeden Menschen liebt, unabhängig davon, was für ein Etikett er trägt."

Diese Äußerungen haben nach Angaben des Informationsdienstes "Evangelical Press" für Kritik unter Evangelikalen gesorgt. Für die Publizistin Ingrid Schlueter sind sie eine "gefährliche Abweichung von der christlichen Lehre". Schließlich gebe die Bibel eine klare Antwort: Nur wer an Jesus Christus glaubt, kommt in den Himmel. Graham sei offenbar ein "Allversöhner" geworden, folgert Schlueter.

Ähnliche Spekulationen über dessen Glaubensüberzeugung waren bereits früher laut geworden. So hatte Graham in Robert Schullers Fernsehgottesdienst "Hour of Power" im Jahr 1997 gesagt: "Ich glaube, dass jeder, der Christus liebt oder ihn kennt, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht, zum Leib Christi gehört. Auch die, die den Namen Jesus nicht kennen, die aber in ihren Herzen wissen, dass sie etwas brauchen, was sie noch nicht haben, und die sich dann diesem Licht in sich zuwenden, auch die sind gerettet und werden mit uns in den Himmel kommen."

Laut dem Informationsdienst der Baptistenzeitschrift Die Gemeinde bezeichnete unterdessen Grahams Sprecher Larry Ross die Kontroverse als überzogen: "Billy Graham war länger als sechs Jahrzehnte als ein Evangelist tätig, der gewissenhaft die Botschaft der Bibel verkündet hat, dass Jesus der einzige Weg in den Himmel ist." Dennoch sei das Heil allein das Werk des allmächtigen Gottes. Nur er könne in das menschliche Herz blicken."

gug      2006-08-18






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